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Reach bleibt und hat Folgen (2014)


Lahl, U., Metzger, J.O. (2014): Reach bleibt und hat Folgen. Nachr. Chem., 62: 531-533. https://doi.org/10.1002/nadc.201490161


Europa nach 2030 – Die Entwicklung der Abfallwirtschaft zum industriellen Standortfaktor – ein Update (2026)


Lahl U., Gosten A., Kummer B., Quicker P., Zeschmar-Lahl, B. (2026): Europa nach 2030 – Die Entwicklung der Abfallwirtschaft zum industriellen Standortfaktor – ein Update. In: Thiel S., Thomé-Kozmiensky E., Quicker P., Gosten A., Stengler E. (Hrsg.): Abfallwirtschaft und Energie 3, 2–19, 2026

Der Vorschlag der Autoren besteht darin, sich auf eine einzige zentrale Verordnung zu stützen und bis 2050 eine vollständige Umstellung der Rohstoffbasis der Kunststoffindustrie (chemische Industrie) durch ein verstärktes Quotensystem (Defossilisierung) zu erreichen. Dies würde bedeuten, dass viele bestehende oder geplante regulatorische Bestimmungen aufgegeben werden könnten. Sobald die chemische Industrie die Gewissheit hat, ihre Rohstoffe beispielsweise aus Biomasse oder durch Recycling ihrer Produkte, also den heutigen Abfällen, zu beziehen, wird das Design für Recycling automatisch zum zentralen Geschäftsmodell der Industrie in ihren Wertschöpfungsketten.

Eine von den Autoren vorgeschlagene Defossilisierungsquote würde es ermöglichen, ehrgeizigere Ziele zu formulieren und den Unternehmen die Wahl kostengünstigerer Optionen für die Kohlenstoffversorgung (d. h. Biomasse und Recycling) zu ermöglichen. Dies würde der Abfallwirtschaft eine neue, aber zentrale Rolle als zukünftiger Rohstofflieferant zur Sicherung der Zukunft der Industrie geben.

Durch die Anerkennung aller drei Optionen zur Defossilisierung (Biomasse, Recycling, CCU) als gleichwertig sowie der Gleichwertigkeit von mechanischem und chemischem Recycling von Kunststoffen und Biomasse hätte die Wirtschaft die Möglichkeit, einen Technologiewettbewerb zu entwickeln und die wirtschaftlich vorteilhaftesten Optionen auszuwählen.

Die Defossilisierung würde einen Schub erhalten, wenn die heutige Abfallverbrennung (in WtE-Anlagen) als chemisches Recycling anerkannt würde, sofern dabei CO2 aus den Abgasen abgeschieden und künftig chemisch genutzt wird. Gleichzeitig müsste jedoch die Deponierung von Siedlungsabfällen in Europa auf Null reduziert und ähnlich verfahren werden wie bei der Abfallverbringung in Entwicklungs- und Schwellenländer.

In der Industriepolitik befindet sich Europa derzeit in einer schwierigen Lage. Insbesondere für Mitgliedstaaten wie Deutschland ist das Überleben ihrer Industrie gefährdet.

Neben der Energieversorgung ist die Versorgung mit erneuerbarem Kohlenstoff und dessen Recycling ein entscheidender Vorteil für die chemische Industrie. Deutschland und Europa sollten daher ihre international führende Abfallwirtschaftsinfrastruktur weiter ausbauen und als Standortvorteil etablieren.


Risikobewertung von Perfluorotensiden als Beitrag zur aktuellen Diskussion zum REACH‐Dossier der EU‐Kommission (2005)


Fricke, M. und Lahl, U. (2005): Risikobewertung von Perfluorotensiden als Beitrag zur aktuellen Diskussion zum REACH‐Dossier der EU‐Kommission. UWSF – Z. Umweltchem. Ökotox. 17 (1), 36‐49

Hintergrund

Die Analyse der intrinsischen Wirkungen der perfluorierten organischen Tenside (PFT) zeigt ein charakteristisches Gesamtbild der Gruppe:

  • hohe Polarität
  • hohe thermische und chemische Stabilität
  • ubiquitäre Verteilung
  • kein biologischer Abbau
  • gehäufte Toxizität

Zudem weisen einzelne Vertreter dieser Substanzgruppe (z.B. PFOS) eine sehr hohe Verweilzeit im menschlichen Körper auf. Die toxischen Eigenschaften variieren und sind, ebenso wie die Mechanismen für die globale Verteilung, nicht vollständig aufgeklärt.

Zwischenzeitlich wurden (werden) einzelne Vertreter dieser Substanzgruppe vom Markt genommen.

Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es mittels des geplanten EU-Chemikalienrechts (REACH) zukünftig verhindert werden kann, dass derartige Stoffe erst dann reguliert werden, wenn sie bereits in der Umwelt verteilt sind, die Schäden also bereits eingetreten sind. Allerdings ist es hierfür erforderlich, die Anforderungen an die Registrierung von Stoffen im unteren Tonnagebereich (1–10 Mg/a) um einzelne Tests zu ergänzen (insbesondere die biologische Abbaubarkeit).

Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit war die Analyse der intrinsischen Eigenschaften und der Risiken einer Untergruppe der fluororganischen Stoffe.

Ergebnis

In Form eines Übersichtsartikels werden die toxischen Wirkungen und Eigenschaften einer Stoffgruppe aus den rund 30.000 Altstoffen dargestellt. Für die laufende Diskussion um die Neujustierung der europäischen Altsstoffbearbeitung (REACH) zeigt sich, dass die zum Teil sehr komplexen Wirkungs- und Risikoanalysen nicht durch standardisierte Testanforderungen abgefragt werden können. Staatlicherseits werden über REACH nur die Startpunkte für diesen Prozess in Form vorgegebener Basistests gesetzt, die dann, im Falle der Auffälligkeit eines Stoffes (oder einer Stoffgruppe) eingenverantwortlich ggf. im Rahmen der Evaluierung vertieft werden müssen. Wichtig ist daher, dass die Basisanforderungen von REACH richtig ausgew’:ahlt sind. Hier zeigt diese Untersuchung entscheidende Defizite des Kommissionsvorschlags.

Schlussfolgerung

Der Basisdarensatz im niedrigtonnagigen Bereich (1–10 Mg/a) muss insbesondere um einen obligatorischen Test zur biologischen Abbaubarkeit ergänzt werden. Die im REACH-Dossier vorhandene Möglichkeit, Substanzen über Gruppenbetrachtungen bewerten zu können (SAR, QSAR u.a.) sind zu begrüßen.

 


Recycling Becomes Feedstock for Europe – Let’s Dare More Autonomy (2026)


Lahl, U., Zeschmar-Lahl, B., Börger, L., Carus, M., vom Berg, C., 2026: Recycling Becomes Feedstock for Europe – Let’s Dare More Autonomy. https://doi.org/10.52548/LFPX3960

Die Veröffentlichung zeigt auf, wie das Ziel der Transformation oder Defossilisierung der europäischen Industrie Schritt für Schritt umgesetzt werden kann. Die Kernpunkte wurden auf der Grundlage von Diskussionen innerhalb des EU-Thinktanks der DGAW entwickelt, auf Fachkonferenzen vorgestellt und diskutiert und in diesem Paper mit Forschungsergebnissen des nova-Instituts kombiniert.

Es wird gezeigt, wie Rechtsbereiche auf EU-Ebene besser integriert werden können, was zu neuen Prioritäten für die Industrie und die Abfallwirtschaft führen wird. Dazu gehört auch die Einstufung aller Recyclingtechnologien, von mechanischen und physikalischen bis hin zu chemischen Verfahren und sogar der Verbrennung mit CO₂-Abscheidung und -Nutzung als gleichwertig, da alle Verfahren für die Umwandlung der verschiedenen Abfallfraktionen und Zielprodukte benötigt werden. Insgesamt führen die zehn in dem Papier abgeleiteten und analysierten Vorschläge auch zu einer erheblichen Verringerung des Verwaltungsaufwands.

Es gibt einige wichtige Vorschläge, die auf bereits von der EU eingeführten Instrumenten aufbauen, wie beispielsweise Substitutionsquoten für ausgewählte Kunststoffsektoren. Die Autoren nennen auch Vorschläge, die derzeit diskutiert oder von den Mitgliedstaaten vorgebracht werden. Es gibt jedoch auch Vorschläge zur schrittweisen Abschaffung bestehender Vorschriften. Es ist wichtig, dass die Vorschläge aufeinander aufbauen und als Teil eines in sich geschlossenen, schrittweisen Gesamtpakets koordiniert umgesetzt werden.

Glücklicherweise wird mehr Autonomie in der EU zunehmend zum Mainstream und ist auch einer der Eckpfeiler der neuen EU-Ratspräsidentschaft. Solange dies jedoch nicht in die Praxis umgesetzt wird, bleiben mehr Autonomie und Widerstandsfähigkeit nichts weiter als ein Narrativ. Und der Weg dorthin wird mit Schwierigkeiten gepflastert sein.


Metrics are the key: development of criteria and indicators for measuring sustainability in international chemicals management (2025)


C. Blum, B. Zeschmar-Lahl, E. Heidbüchel, H. C. Stolzenberg, K. Kümmerer, A. Becker and H. Friege: Metrics are the key: development of criteria and indicators for measuring sustainability in international chemicals management. RSC Sustainability, 2025, D5SU00135H. DOI: 10.1039/D5SU00135H. Received 26th February 2025, accepted 8th August 2025, first published on 2nd September 2025

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Der neue Markt an Recycling-Additiven – Handlungsbedarf für den Gesetzgeber (Müll und Abfall, 2025)


Lahl U., Zeschmar-Lahl B. (2025): Der neue Markt an Recycling-Additiven – Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Müll und Abfall 7, 376-382. https://doi.org/10.37307/j.1863-9763.2025.07.03

In den letzten Jahren hat sich ein Markt für chemische Additive zur Verbesserung der Qualität von Kunststoff-Rezyklaten etabliert. Für diese Additive werden hohe Wachstumschancen erwartet. Die Produkte sind sehr vielfältig und können beispielsweise zur Nach-Stabilisierung von Rezyklaten oder zur Reduzierung unangenehmer Gerüche eingesetzt werden. Weiter sind Produkte am Markt, die geschädigte Polymere wieder reparieren können. Und es werden Additive angeboten, die die Mischbarkeit inhomogener Sortierfraktionen verbessern. Die Autoren haben im Auftrag eines Kunststoff-Recyclers den Versuch unternommen, die chemische Identität und Rahmenrezeptur dieser Kunststoff-Additive in Erfahrung zu bringen. Diese Informationen sind allerdings zumeist nicht offengelegt. Selbst in den verfügbaren Sicherheitsdatenblättern war die Zusammensetzung dieser Produkte regelmäßig nicht enthalten. Nur in Einzelfällen waren deklarationspflichtige Einzelstoffe angegeben. Aus Gesprächen und der grauen Literatur ist aber bekannt, dass für diese Produkte zum Teil hochreaktive Substanzen eingesetzt werden, die in den Extrudern direkt der heißen Schmelze zugeführt werden sollen. Nachdem die mittelständische Recyclingbranche schon mit Kunststoffabfällen konfrontiert ist, die verbotene Additive aus der Vergangenheit enthalten (risk cycle, legacy chemicals), tut sich hier für die Zukunft ein neues Problem auf: sind diese Praktiken ausreichend sicher? Die Autoren raten hier zur Vorsicht und daher vom Einsatz von Recycling-Additiven ab, deren chemische Identität und Rahmenrezeptur nicht preisgegeben wird.


Europa nach 2030 – Die Entwicklung der Abfallwirtschaft zum industriellen Standortfaktor (Müll und Abfall, 2025)


Gosten A., Holländer R., Kummer B., Lahl U., Quicker P., Reichert D., Zeschmar-Lahl B. (2025): Europa nach 2030 – Die Entwicklung der Abfallwirtschaft zum industriellen Standortfaktor. Müll und Abfall 5, 277-296. https://doi.org/10.37307/j.1863-9763.2025.05.06

„Mit dem gestiegenen Lebensstandard und der parallel angewachsenen Kunststoff-Flut der 1960er Jahre gewann auch das Abfallthema an Bedeutung. In den 1970er Jahren stand der Übergang von der wilden „Kippe“ zur geordneten Deponie als Priorität ganz oben. 1986 wurden mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) die Prioritäten erweitert.

Hierarchie und Prioritäten haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Regelungen immer komplexer geworden sind. Die Aufgabe für die neue Legislatur in Deutschland bzw. der EU lautet u.E. daher: Komplexität reduzieren, ohne die wichtigen Regelungsziele aufzugeben! Nur wenn wir prioritäre Ziele regulatorisch möglichst schlank und wirkungssicher erreichen, werden wir unter den aktuellen gesellschaftlichen Randbedingungen Erfolg haben.

Erfahrungen aus der Normsetzung im Umweltbereich lehren uns, dass wir in der Vergangenheit dann schlank und wirkungssicher waren, wenn eine Regelung ganz weit vorn an den Ursachen der Probleme angesetzt hat. Darüber hinaus waren wir dann erfolgreich, wenn die Instrumente kombiniert waren, sodass für den Regelungsadressaten neben der ordnungsrechtlichen Vorgabe auch ein wirtschaftlicher Antrieb zur Normerreichung vorhanden war („well-designed policy mixes“).

Wir haben daher in zehn Handlungsfeldern ressourcenpolitische und abfallwirtschaftliche Prioritäten analysiert und Eckpunkte bestimmt, von denen wir glauben, dass sie den Industriestandort Europa weiterbringen können. Wir haben uns hierbei auf Kunststoffe und Biomasse konzentriert, weil hier wichtige nicht-fossile Kohlenstoffquellen (renewable carbon) für die Industrie in Europa erschlossen werden können.“


Third-generation biodegradable plastics – A complementary strategy to tackle the marine litter problem (2025)


Im Jahr 2022 hat das weltweit produzierte Kunststoffaufkommen 400 Millionen Tonnen erreicht. Schätzungsweise 3-5 % dieser Menge landen in der Umwelt, wo sie eine erhebliche Bedrohung für die Ökosysteme und die Artenvielfalt darstellen. Littering ist ein wachsendes globales Problem; es erfordert einen kombinierten Ansatz, um seine Ursachen zu bekämpfen und seine Auswirkungen zu verringern. Es gibt verschiedene Strategien zur Bekämpfung von Littering. Aber selbst bei einer sofortigen und konzertierten Aktion zur Verringerung des Verbrauchs von Kunststoffen werden bis 2040 kumulativ mehr als 700 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die aquatischen und terrestrischen Ökosysteme gelangen. Selbst wenn die Abfallwirtschaftssysteme verbessert werden, reichen die Kapazitäten auf globaler Ebene nicht aus, um die riesigen Mengen an Kunststoffen, die in die Umwelt gelangen, zu bewältigen. Insbesondere für Kunststoffe, die vorhersehbar und unvermeidlich in die Umwelt gelangen, wo sie Hunderte von Jahren überdauern können („ewige“ Kunststoffe), ist eine Lösung erforderlich. Biologisch abbaubare Kunststoffe, die die Kriterien von ‚Safe and Sustainable by Design‘ (SSbD) erfüllen, bieten Innovationsperspektiven und können eine ergänzende Strategie zur Bewältigung des ‚marine litter‘-Problems sein.

Lahl, R., Bleischwitz, R., Lahl, U., Zeschmar-Lahl, B. (2025): Third-generation biodegradable plastics – A complementary strategy to tackle the marine litter problem. Sustainable Chemistry and Pharmacy 2025, 44, 101925. https://doi.org/10.1016/j.scp.2025.101925


Material Recycling of Plastics—A Challenge for Sustainability (2024)


Die Komplexität der Kunststoffpolymere und noch mehr der Additive hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies erschwert die stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen erheblich, vor allem bei gemischten Kunststoffabfällen. Einige Additive sind inzwischen aus guten Gründen streng reglementiert oder sogar ganz verboten worden („Legacy Additives“). Bei der stofflichen oder werkstofflichen Verwertung werden in der Regel Altkunststoffe verwendet, die diese Stoffe noch enthalten. Folglich sind Produkte, die aus solchen Rezyklaten hergestellt werden, mit diesen Schadstoffen verunreinigt. Dies stellt eine große Herausforderung für die Nachhaltigkeit dar, denn es besteht ein Zielkonflikt zwischen dem Schutz der Gesundheit der Verbraucher, insbesondere der gefährdeten Bevölkerungsgruppen, der Schonung der Ressourcen und dem Recycling, der Reinhaltung der Stoffkreisläufe und der Zerstörung von Schadstoffen bzw. der Verbringung in eine sichere letzte Senke. Im Hinblick auf das erste Ziel empfehlen wir, bis auf weiteres auf die Verwendung von kontaminierten Rezyklaten für Produkte mit intensivem Verbraucherkontakt („Kontakt-sensitive Produkte“) zu verzichten.

In unserem aktuellen Beitrag „Material Recycling of Plastics—A Challenge for Sustainability“ zeigen wir zudem auch, dass die klimapolitischen Herausforderungen für die Kunststoff- (und Chemie-) Industrie eine Defossilisierung („feedstock change“) erfordern. Diese Transformation kann nur gelingen, wenn in Zukunft ausschließlich Kreislaufwirtschaft betrieben wird; Rezyklate sollen primär Neuware ersetzen. Für die stoffliche bzw. werkstoffliche Verwertung bedeutet dies, dass dies nur funktionieren kann, wenn Altkunststoffe mit hoher Homogenität und bekannter Rezeptur getrennt gesammelt werden, wie es bei PET-Flaschen bereits heute der Fall ist. Ziel dieses Beitrags ist es, die zunehmende Komplexität von Kunststoffpolymeren und -additiven, insbesondere von Legacy-Additiven, zu verdeutlichen, die eine gesetzgeberische Neuausrichtung des heutigen werkstofflichen Recyclings erzwingen wird.

Lahl U.,  Zeschmar-Lahl B. (2024): Material Recycling of Plastics—A Challenge for Sustainability. Sustainability 202416, 6630. https://doi.org/10.3390/su16156630


Kunststoffe in der Abfallwirtschaft – closing the loop?


Lahl U., Lechtenberg D., Zeschmar-Lahl B. (2024): Kunststoffe in der Abfallwirtschaft – closing the loop?
Österr Wasser- und Abfallw (2024) 76, 7–8. https://doi.org/10.1007/s00506-024-01059-y

Die Kreislaufwirtschaft (circular economy) wird nach 2030 eine wichtige, wenn nicht die entscheidende Quelle zur Rohstoffversorgung der europäischen Wirtschaft sein. Das gilt nicht nur für die Versorgung mit Metallen, sondern auch für nicht-fossilen Kohlenstoff. Was ist mit dem fossilen Kohlenstoff im Bestand (Kunststoffe)? Nur wenn er im Kreis geführt wird, wird er nicht klimawirksam. Allerdings sind derzeit keine belastbaren Daten zur Substitution von Neu-Kunststoffen („virgin plastic“) durch Rezyklate (closed loop-Recycling) für die relevanten Kunststoffeinsatzbereiche (Verpackungen, Bauprodukte, Elektro- und Elektronikaltgeräte, Fahrzeuge) verfügbar. Die aus klimapolitischer Sicht erforderliche Rohstoffwende („Defossilisierung”) der Kunststoff- bzw. Chemieindustrie wird u. E. nur gelingen können, wenn das physikalische und chemische Recycling zukünftig auf das Substituieren von „virgin plastic“ ausgerichtet wird. Ein Problem stellen dabei die im Bestand in langlebigen Kunststoffprodukten enthaltenen Additive dar. Viele dieser Substanzen sind mittlerweile verboten oder stark reglementiert (legacy additives). Beim mechanischen (werkstofflichen) Recycling werden die Additive in der Regel mit-rezykliert. Die Datenlage zur Belastung von Rezyklaten aus Altkunststoffen mit gefährlichen bzw. verbotenen Stoffen gibt Anlass zur Besorgnis. Aufgrund der Datenlage und ihrer toxikologischen Bewertung empfehlen wir ein Moratorium für die Verwendung von Rezyklaten für Produkte, die eine hohe „Nutzernähe“ aufweisen (Kontakt-sensitive Produkte wie Lebensmittelverpackungen, Küchenutensilien, Spielzeuge, Textilien, Indoor-Produkte). Rezyklate aus geschlossenen, überwachten Produktkreisläufen sollten diesem Moratorium nicht unterliegen.



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